Das chemische Element Bor ist ein wichtiges Spurenelement. Bor kann
anthropogene Verunreinigungen anzeigen. Aber wie wirkt sich Bor auf unsere
Gesundheit aus? Und wie hoch sind die neuen Grenzwerte? Wir verweisen
in diesem Zusammenhang auf eine Nachricht der VDM, Bonn: "
Bor
Was ist Bor?
Bor ist ein
nicht-metallisches chemisches Element, das in der Natur vorkommt, z.B. in
Meerwasser und in den Gesteinsschichten der Erdkruste. Es ist wasserlöslich
und kann daher von Grundwässern aus dem Gestein aufgenommen werden.
Wie wird Bor industriell genutzt?
Industriell wird Bor bei
der Glas- und Keramik-Herstellung, in der Galvanik, als Reinigungs- und
Bleichmittel (Textil- und Papierindustrie) sowie als Brandhemmer eingesetzt.
Die landwirtschaftliche Nutzung umfasst hauptsächlich Dünger und
Pflanzenbehandlungsmittel. Bor-Verbindungen (Perborate) sind ein wichtiger
Bestandteil von Waschmitteln in privaten Haushalten. Vielfältig ist auch der
Einsatz in der Medizin.
Ist Bor gesundheitsschädlich?
Vergiftungsfälle bei
Menschen sind nur selten und nach Aufnahme sehr großer Mengen von
Bor-Verbindungen beobachtet worden. Die Symptome umfassen Übelkeit,
Erbrechen, Magenkrämpfe usw.. Lebensmittel enthalten nur wenig Bor, so dass
eine Bor-Vergiftung durch Lebensmittel selbst bei sehr einseitiger Ernährung
ausgeschlossen ist.
In Tierversuchen bewirkten
allerdings sehr hohe Bor-Gaben Veränderungen an den Keimdrüsen und
verminderte Geburtsgewichte. Krebserregende Wirkungen konnten in
Tierversuchen nicht festgestellt werden, ebenso wenig gen-verändernde oder
gen-giftige Wirkungen.
Wie verhält sich Bor im menschlichen Stoffwechsel?
Die tägliche Bor-Aufnahme
durch Nahrungsmittel wird beim Menschen mit durchschnittlich gut 1 mg pro
Tag angegeben, allerdings mit weiter Schwankungsbreite. So kann der Wert bei
Vegetariern bis zum Vierfachen betragen. Bor wird im Magen-Darm-Trakt
vollständig aufgenommen, die Nieren scheiden es aber innerhalb weniger Tage
wieder aus. Es reichert sich also nicht im Organismus an.
Für höhere Pflanzen ist
Bor ein essentielles, also lebensnotwendiges Spurenelement. Ob dies auch für
Tiere und Menschen der Fall ist, ist noch nicht geklärt. Die deutsche
Gesellschaft für Ernährung (DGE) zählt Bor zu den sog.
Ultra-Spurenelementen, welche bei künstlicher Verknappung im Tierexperiment
Mangelerscheinungen hervorrufen, deren spezielle Funktionen andererseits
aber nicht bekannt sind.
Wie gelangt Bor in Trinkwasser, Mineralwasser und Nahrungsmittel?
Wasser, das bor-haltige
Gesteinschichten durchläuft, kann es ebenso aufnehmen wie andere Mineralien,
denn Bor ist wasserlöslich. Pflanzen nehmen es mit dem Wasser über ihre
Wurzeln auf und können es anreichern.
Wie hoch sind die Bor-Gehalte in Nahrungsmitteln?
Bor ist in fast allen
Nahrungsmitteln nachweisbar. Obst, Gemüse und Getreide können relativ hohe
Bor-Gehalte aufweisen, niedrig liegen sie dagegen bei Fleisch, Fisch oder
Molkereiprodukten.
Bor-Gehalte einiger
Nahrungsmittel (Mittelwerte, jeweils in mg/kg):
|
Vollmilch |
0,27 |
|
Fleisch |
0,19 – 0,46 |
|
Fisch |
0,35 – 0,75 |
|
Miesmuscheln |
2,05 |
|
Getreide |
4,58 – 7,00 |
|
Roggenbrot |
0,80 |
|
Eierteigwaren |
0,75 |
|
Kartoffel |
1,00 |
|
Steckrübe |
50,00 |
|
Gurke |
36,00 |
|
rote
Beete, Rettich |
21,00 |
|
Sellerie |
11,00 |
|
Möhre |
3,12 |
|
Grünkohl, Rotkohl,
Rosenkohl |
2,50 |
|
Blumenkohl, Broccoli |
1,50 |
|
Tomate |
1,15 |
|
Pfirsich |
70,00 |
|
Avocado |
9,55 |
|
Aprikose |
4,75 |
|
Pflaume |
3,40 |
|
Apfel |
2,45 |
|
Birne |
1,83 |
|
Zitrusfrüchte |
1,50 – 1,80 |
|
Nüsse |
12,00 – 22,00 |
Wie viel Bor enthält Trinkwasser und Mineralwasser?
Trinkwasser, das aus
Oberflächen-Wässern (Flüsse, Seen, Talsperren) gewonnen wurde, enthält nur
verschwindend geringe Mengen an Bor. Der Bor-Gehalt von Grundwässern, also
Wässern, die verschiedene Erd- und Gesteinsschichten durchflossen haben,
hängt ab vom Bor-Gehalt des Gesteins sowie von der Verweilzeit im
Untergrund. Die Bor-Gehalte deutscher Trinkwässer liegen selten über
0,5 mg/l, meist unter 0,1 mg/l. Deutsche Mineralwässer haben aufgrund
ihrer individuellen hydrogeologische Bedingungen eine weitere
Schwankungsbreite bis knapp über 3 mg/l, mit einem Durchschnittswert bei
etwa 0,5 mg/l.
Gibt es gesetzliche Grenzwerte für Bor?
Die europäische
Trinkwasser-Richtlinie sieht einen Grenzwert für Bor in Höhe von 1 mg/l vor.
Der deutsche Gesetzgeber ist dem in der Trinkwasser-Verordnung gefolgt und
hat den Grenzwert für Bor auf 1 mg/l ± 20 % festgesetzt.
Die deutsche Mineral- und
Tafelwasserverordnung legt für Mineralwasser einen Grenzwert in Höhe von 30
mg/l als Borat fest, das entspricht etwa 5,5 mg/l Bor. Es ist
geplant, europaweit einheitlich einen Bor-Grenzwert für natürliche
Mineralwässer in gleicher Höhe wie für Trinkwasser festzulegen, also 1 mg/l.
Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1998 einen vorläufigen
Orientierungswert für Trinkwasser in Höhe von 0,5 mg/l veröffentlicht. In
einer neuen Publikation des WHO-geführten International Programme on
Chemical Safety (IPCS) aus dem Jahre 2000 wird jedoch aufgrund der
unzureichenden Datenlage und vor dem Hintergrund der bekannten, sehr
geringen Giftigkeit von Bor eine tolerierbare Zufuhr von 0,4 mg pro
Kilogramm Körpergewicht und Tag vorgeschlagen. Für einen 70 kg schweren
Erwachsenen läge die tolerierbare, also gesundheitlich unbedenkliche,
langfristige Bor-Aufnahme bei 28 mg täglich.
In der US-amerikanischen
Trinkwasser-Gesetzgebung ist übrigens kein Grenzwert für Bor festgelegt.
"Quelle: VDM, Bonn""