Wichtige Mitteilung für Mineralbrunnenbetriebe

             Würzburg, 09.01.2005

Die neuen Grenzwerte für Bor


Das chemische Element Bor ist ein wichtiges Spurenelement. Bor kann anthropogene Verunreinigungen anzeigen. Aber wie wirkt sich Bor auf unsere Gesundheit aus? Und wie hoch sind die neuen Grenzwerte? Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf eine Nachricht der VDM, Bonn: "

Bor

Was ist Bor?

Bor ist ein nicht-metallisches chemisches Element, das in der Natur vorkommt, z.B. in Meerwasser und in den Gesteinsschichten der Erdkruste. Es ist wasserlöslich und kann daher von Grundwässern aus dem Gestein aufgenommen werden.

Wie wird Bor industriell genutzt?

Industriell wird Bor bei der Glas- und Keramik-Herstellung, in der Galvanik, als Reinigungs- und Bleichmittel (Textil- und Papierindustrie) sowie als Brandhemmer eingesetzt. Die landwirtschaftliche Nutzung umfasst hauptsächlich Dünger und Pflanzenbehandlungsmittel. Bor-Verbindungen (Perborate) sind ein wichtiger Bestandteil von Waschmitteln in privaten Haushalten. Vielfältig ist auch der Einsatz in der Medizin.

Ist Bor gesundheitsschädlich?

Vergiftungsfälle bei Menschen sind nur selten und nach Aufnahme sehr großer Mengen von Bor-Verbindungen beobachtet worden. Die Symptome umfassen Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfe usw.. Lebensmittel enthalten nur wenig Bor, so dass eine Bor-Vergiftung durch Lebensmittel selbst bei sehr einseitiger Ernährung ausgeschlossen ist.

In Tierversuchen bewirkten allerdings sehr hohe Bor-Gaben Veränderungen an den Keimdrüsen und verminderte Geburtsgewichte. Krebserregende Wirkungen konnten in Tierversuchen nicht festgestellt werden, ebenso wenig gen-verändernde oder gen-giftige Wirkungen.

Wie verhält sich Bor im menschlichen Stoffwechsel?

Die tägliche Bor-Aufnahme durch Nahrungsmittel wird beim Menschen mit durchschnittlich gut 1 mg pro Tag angegeben, allerdings mit weiter Schwankungsbreite. So kann der Wert bei Vegetariern bis zum Vierfachen betragen. Bor wird im Magen-Darm-Trakt vollständig aufgenommen, die Nieren scheiden es aber innerhalb weniger Tage wieder aus. Es reichert sich also nicht im Organismus an.

Für höhere Pflanzen ist Bor ein essentielles, also lebensnotwendiges Spurenelement. Ob dies auch für Tiere und Menschen der Fall ist, ist noch nicht geklärt. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zählt Bor zu den sog. Ultra-Spurenelementen, welche bei künstlicher Verknappung im Tierexperiment Mangelerscheinungen hervorrufen, deren spezielle Funktionen andererseits aber nicht bekannt sind.

Wie gelangt Bor in Trinkwasser, Mineralwasser und Nahrungsmittel?

Wasser, das bor-haltige Gesteinschichten durchläuft, kann es ebenso aufnehmen wie andere Mineralien, denn Bor ist wasserlöslich. Pflanzen nehmen es mit dem Wasser über ihre Wurzeln auf und können es anreichern.

Wie hoch sind die Bor-Gehalte in Nahrungsmitteln?

Bor ist in fast allen Nahrungsmitteln nachweisbar. Obst, Gemüse und Getreide können relativ hohe Bor-Gehalte aufweisen, niedrig liegen sie dagegen bei Fleisch, Fisch oder Molkereiprodukten.

Bor-Gehalte einiger Nahrungsmittel (Mittelwerte, jeweils in mg/kg):

Vollmilch

0,27

Fleisch

0,19 – 0,46

Fisch

0,35 – 0,75

Miesmuscheln

2,05

Getreide

4,58 – 7,00

Roggenbrot

0,80

Eierteigwaren

0,75

Kartoffel

1,00

Steckrübe

50,00

Gurke

36,00

rote Beete, Rettich

21,00

Sellerie

11,00

Möhre

3,12

Grünkohl, Rotkohl, Rosenkohl

2,50

Blumenkohl, Broccoli

1,50

Tomate

1,15

Pfirsich

70,00

Avocado

9,55

Aprikose

4,75

Pflaume

3,40

Apfel

2,45

Birne

1,83

Zitrusfrüchte

1,50 – 1,80

Nüsse

12,00 – 22,00

Wie viel Bor enthält Trinkwasser und Mineralwasser?

Trinkwasser, das aus Oberflächen-Wässern (Flüsse, Seen, Talsperren) gewonnen wurde, enthält nur verschwindend geringe Mengen an Bor. Der Bor-Gehalt von Grundwässern, also Wässern, die verschiedene Erd- und Gesteinsschichten durchflossen haben, hängt ab vom Bor-Gehalt des Gesteins sowie von der Verweilzeit im Untergrund. Die Bor-Gehalte deutscher Trinkwässer liegen selten über 0,5 mg/l, meist unter 0,1 mg/l. Deutsche Mineralwässer haben aufgrund ihrer individuellen hydrogeologische Bedingungen eine weitere Schwankungsbreite bis knapp über 3 mg/l, mit einem Durchschnittswert bei etwa 0,5 mg/l.

Gibt es gesetzliche Grenzwerte für Bor?

Die europäische Trinkwasser-Richtlinie sieht einen Grenzwert für Bor in Höhe von 1 mg/l vor. Der deutsche Gesetzgeber ist dem in der Trinkwasser-Verordnung gefolgt und hat den Grenzwert für Bor auf 1 mg/l ± 20 % festgesetzt.

Die deutsche Mineral- und Tafelwasserverordnung legt für Mineralwasser einen Grenzwert in Höhe von 30 mg/l als Borat fest, das entspricht etwa 5,5 mg/l Bor. Es ist geplant, europaweit einheitlich einen Bor-Grenzwert für natürliche Mineralwässer in gleicher Höhe wie für Trinkwasser festzulegen, also 1 mg/l.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1998 einen vorläufigen Orientierungswert für Trinkwasser in Höhe von 0,5 mg/l veröffentlicht. In einer neuen Publikation des WHO-geführten International Programme on Chemical Safety (IPCS) aus dem Jahre 2000 wird jedoch aufgrund der unzureichenden Datenlage und vor dem Hintergrund der bekannten, sehr geringen Giftigkeit von Bor eine tolerierbare Zufuhr von 0,4 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vorgeschlagen. Für einen 70 kg schweren Erwachsenen läge die tolerierbare, also gesundheitlich unbedenkliche, langfristige Bor-Aufnahme bei 28 mg täglich.

In der US-amerikanischen Trinkwasser-Gesetzgebung ist übrigens kein Grenzwert für Bor festgelegt.

"Quelle: VDM, Bonn""

 

 

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